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Dombote


Artikel in Helmstedter Nachrichten vom 05.06.2018:

Dem neuen Vorstand stehen schwere Aufgaben bevor

Königslutter  Die Stiftskirchengemeinde am Kaiserdom hat mit Ute Schmalbruch eine neue Vorsitzende. Nach zwölf Jahren an der Spitze löst sie Norbert Lucas ab.

Von Sebahat Arifi

Pfarrer Martin Senftleben (von links) mit dem neuen Vorstand: Dietrich Dasenbrook, Ines Heinecke, Christine Jahn, Antonia Korsch, Ehrenfried Messal, Uwe Mühe und Ute Schmalbruch. Es fehlte Axel Kossmann.<br /><i> Foto: regios24 / Trommler</i>

Pfarrer Martin Senftleben (von links) mit dem neuen Vorstand: Dietrich Dasenbrook, Ines Heinecke, Christine Jahn, Antonia Korsch, Ehrenfried Messal, Uwe Mühe und Ute Schmalbruch. Es fehlte Axel Kossmann.
Foto: regios24 / Trommler

Es war ein Tag der Veränderungen am Kaiserdom in Königslutter, denn mit der Konstituierung des neuen Stiftskirchenvorstands am Sonntag gehen prägnante Änderungen einher.

Da ist zum einen die Verkleinerung des Gremiums von zehn auf jetzt acht Mitglieder. Unter anderem eine Auswirkung des Mitgliederschwundes, der auch vor der Stiftskirchengemeinde nicht Halt macht. Außerdem ist da der Wechsel an vorderster Stelle: Nach zwölf Jahren als Vorsitzender sowie 18 Jahren im Vorstand, hat sich Norbert Lucas nicht erneut zur Wahl aufstellen lassen. Dem standen vor allem gesundheitliche Gründe entgegen, aufgrund derer er und seine Frau Brigitta zwischenzeitlich bereits nach Braunschweig gezogen waren. „Ein Lebensabschnitt geht zu Ende“, kommentierte er unserer Zeitung gegenüber.

Auf Lucas folgt nun Ute Schmalbruch, die bereits zwölf Jahre Vorstandserfahrung mitbringt. Doch den Hut aufzuhaben, sei eben doch eine andere Sache, betonte sie gestern. „Wir sind mit einigen Wassern gewaschen, und ich habe auch schon einiges miterlebt, aber vor der neuen Aufgabe habe ich Respekt“, sagte sie.

Fast bis zuletzt war eigentlich nicht klar, wer Lucas nachfolgen würde. In Frage seien viele gekommen, stellte Schmalbruch fest. Sie selbst habe es bis vor kurzem kategorisch abgelehnt, neue Vorsitzende zu werden. Doch irgendwann hätte sie nicht mehr Nein sagen können.

Nicht weil, sie sich scheue, Verantwortung zu übernehmen, sondern weil sie ehrenamtlich bereits sehr aktiv sei. Der Beruf und die Familie, die alles mittragen müsse, kämen hinzu. Ausschlaggebend sei dann Folgendes gewesen: „Ich sehe mich vorwiegend als Repräsentantin eines Teams und als Teil des Ganzen. Ich übernehme die Verantwortung zum Wohl der Kirche.“

Zu denen, die ebenfalls gebeten wurde, Vorsitzende zu werden, gehört Christine Jahn. Sie gehört weiterhin dem Vorstand an, habe aber vor allem deshalb abgelehnt, weil sie bereits Vorsitzende des Pfarrverbands mit seinen zwölf Kirchen ist. „Ich wollte keine Ämterhäufung“, machte sie deutlich. Zumal in den nächsten Jahren große Herausforderungen und Entscheidungen bevorstünden.

Da ist der Mitgliederschwund in den Gemeinden. Da gehen in wenigen Jahren gleich mehrere Pfarrer in Ruhestand, und wenn die Bestandsgarantie für den sogenannten „Pfarrverband neuen Typs“ 2023 ausläuft, werden die Pfarrstellen voraussichtlich gekürzt. Abgesehen davon, dass es schwer sein werde, die dann kommenden Vakanzen zu ersetzen.

„Für jetzt haben wir alles noch hinbekommen. Wir haben überall die Vorstände besetzen können, vor allem Dank des ehrenamtlichen Einsatzes der Gemeindeglieder, das muss man mal sagen“, machte Jahn deutlich. Doch wie die seelsorgerische Arbeit in Zukunft aussehen wird, das müsse nun mit allen erarbeitet werden.

Norbert Lucas, hier mit Ehefrau Brigitta, bedankte sich zum Abschied.<br /><i> Foto: regios24 / Trommler</i>

Norbert Lucas, hier mit Ehefrau Brigitta, bedankte sich zum Abschied.
Foto: regios24 / Trommler

Sowohl Jahn als auch Schmalbruch betonten deshalb, dass es enorm gewesen sei, welche Arbeit Norbert Lucas „gewuppt“ habe. Und auch er selbst macht keinen Hehl daraus, dass er „erleichtert“ darüber sei, dass ihm „eine Verantwortung genommen“ sei. „An dieser Aufgabe hängt so viel dran: Es bedeutet ja, die Gemeinde zu leiten, den Pfarrer zu unterstützen, und immer wieder Entscheidungen zu treffen“, führte er aus. Als einschneidend habe er die Jahre der Dom-Restaurierung sowie die viermonatige Vakanz nach dem Weggang von Pfarrer Manfred Trümer empfunden.

Die kommenden Entwicklungen aufzuhalten, werde nur sehr schwer gelingen, prophezeite Lucas. Er riet der Kirche im Allgemeinen, eine Sprache zu finden, die bei den Menschen ankomme und nicht von ihrer Wirklichkeit abgehoben sei. Und sie müsse Vorbild sein. „Die Kirche hat den Auftrag, die christliche Botschaft zu vermitteln, und das ist an oberster Stelle die der Nächstenliebe. Das muss sie vorleben.“

Trotz aller Arbeit seien es für Lucas 18 Jahre gewesen, die viel für sein Leben gebracht hätten. „Es war eine sehr erfüllte Zeit“, sagte er. Und die feierliche Verabschiedung sowie der Applaus der Anwesenden hätten ihn sehr gerührt. Er versprach, seine Kraft gerne weiter einzusetzen und alles zu versuchen, ab und zu im Dom zu sein. Denn eines sei klar: „Die gefühlsmäßige Bindung an Königslutter ist noch da.“